Tandem Abend
an der Universität Bamberg
an der Universität Bamberg
„Transformation des Bauens – Zwischen Bestand, Verantwortung und Zukunft“ am 14. Juli 2026 in Bamberg
Das InTraBau Projekt zu Gast am Tandem Abend der Universität Bamberg / Handwerkskammer für Oberfranken

Die Begrüßungsbeiträge führten aus unterschiedlichen institutionellen Perspektiven in das Thema „Transformation des Bauens – Zwischen Bestand, Verantwortung und Zukunft“ ein. Universität, Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer stellten dabei übereinstimmend heraus, dass der zukünftige Umgang mit dem Gebäudebestand nicht von einzelnen Akteuren oder Fachrichtungen bewältigt werden kann. Erforderlich seien vielmehr eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Planung, Wirtschaft und Handwerk sowie ein kontinuierlicher Transfer von Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen.
Prof. Dr. Kai Fischbach: Wissenschaft und Praxis gemeinsam für die Region
Prof. Dr. Kai Fischbach, Präsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hob die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Universität mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken hervor. Die Tandemreihe stehe exemplarisch für den Anspruch der Universität, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht isoliert innerhalb der Hochschule zu behandeln, sondern mit den Erfahrungen und Fragestellungen der Praxis zu verbinden.
Die Zukunft des Bauens bezeichnete Fischbach als ein gesellschaftlich besonders relevantes Thema. Fragen des Ressourcenschutzes, der Nachhaltigkeit und des Umgangs mit dem vorhandenen Gebäudebestand beträfen nicht nur Forschung und Bauwirtschaft, sondern die Entwicklung der gesamten Region. Ziel müsse es daher sein, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die wissenschaftlich fundiert und zugleich praktisch umsetzbar seien.
Als konkretes Beispiel für diese Zusammenarbeit verwies Fischbach auf die Innovations-Community InTraBau. Der dort entstandene Kompetenzverbund führe Hochschulen, Handwerk und weitere Praxispartner zusammen und schaffe Möglichkeiten, neue Ansätze für den nachhaltigen Bestandsbau zu entwickeln und zu erproben. Die Veranstaltung solle deshalb nicht nur der Vermittlung von Wissen dienen, sondern auch persönliche Begegnungen, Vernetzung und weiterführende Kooperationen ermöglichen.
Mit dem Hinweis auf die beteiligten Referentinnen und Referenten unterstrich Fischbach zugleich die bewusst gewählte Vielfalt der Perspektiven. Architektur, Bauwirtschaft, Restaurierung und universitäre Forschung sollten nicht getrennt voneinander auftreten, sondern ihre jeweiligen Erfahrungen in einen gemeinsamen Dialog einbringen.
Kernaussage Prof. Dr. Kai Fischbach
Die Transformation des Bauens benötigt einen dauerhaften Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Universität versteht sich dabei als Partnerin der Region, die Forschung, Wissenstransfer und Vernetzung miteinander verbindet.
Matthias Graßmann: Bestandserhalt als nachhaltige Zukunftsaufgabe des Handwerks
Matthias Graßmann, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie künftig mit bestehenden Gebäuden umgegangen werden soll. Angesichts hoher Baukosten, begrenzter Rohstoffe und wachsender ökologischer Anforderungen sei ein tiefgreifender Wandel im Bauwesen erforderlich. Nachhaltigkeit und Bestandsbau seien dabei untrennbar miteinander verbunden.
Die Restaurierung, Reparatur und weitere Nutzung bestehender Gebäude seien häufig eine ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Alternative zu Abriss und Neubau. Im Bestand seien bereits erhebliche Mengen an Material, Energie und Arbeitsleistung gebunden. Deren Erhaltung vermeide neue Ressourcenverbräuche und reduziere zugleich Abfallmengen.
Graßmann betonte besonders die Rolle des Handwerks. Eine erfolgreiche Transformation könne nur gelingen, wenn traditionelle handwerkliche Kenntnisse mit wissenschaftlicher Forschung, moderner Planung und neuen Technologien verbunden würden. Historisches Erfahrungswissen dürfe dabei nicht als Gegensatz zu Innovation verstanden werden. Vielmehr könne gerade aus der Verbindung bewährter Werktechniken mit digitalen und technischen Verfahren ein zukunftsfähiger Umgang mit dem Baubestand entstehen.
Als Beispiele nannte er das Förderprojekt InTraBau und den gemeinsam mit der Hochschule Coburg und der Universität Bamberg entwickelten dualen Studiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“. Der Studiengang solle Fachkräfte ausbilden, die sowohl traditionelle Bau- und Handwerkstechniken als auch moderne Methoden der Untersuchung, Planung und Sanierung beherrschen. Damit werde nicht nur auf den zunehmenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften reagiert, sondern auch eine Brücke zwischen akademischer und handwerklicher Bildung geschaffen.
Graßmann verstand die Tandemreihe als Instrument des Wissenstransfers. Wissenschaftliche Ergebnisse sollten öffentlich vorgestellt, von den beteiligten Unternehmen und Fachleuten diskutiert und anschließend in praktische Aktivitäten überführt werden. Besonders wichtig sei es, erfolgreiche Erfahrungen aus Betrieben sichtbar zu machen und voneinander zu lernen.
Kernaussage Matthias Graßmann
Der Erhalt und die Weiterentwicklung des Gebäudebestands sind zentrale Aufgaben einer nachhaltigen Bauwirtschaft. Das Handwerk bringt dafür unverzichtbares Erfahrungswissen ein, das mit Forschung, moderner Technik und neuen Bildungsangeboten verbunden werden muss.
Dr. Andreas Schönberger: Zwischen Sanierungsrisiken und der Notwendigkeit des Bestandsbaus
Dr. Andreas Schönberger vom IHK-Gremium Bamberg verdeutlichte die Herausforderungen des Bauens im Bestand anhand der Sanierung des Klosters St. Michael in Bamberg. Das umfangreiche Projekt zeige einerseits, welche kulturellen, städtebaulichen und handwerklichen Leistungen durch eine anspruchsvolle Sanierung erhalten werden könnten. Andererseits mache es sichtbar, mit welchen Kosten, organisatorischen Anforderungen und schwer kalkulierbaren Risiken Bestandsprojekte verbunden sein könnten.
Schönberger griff damit eine wesentliche Unsicherheit auf: Bei Umbau- und Sanierungsmaßnahmen lasse sich der tatsächliche Zustand eines Gebäudes häufig erst während der Arbeiten vollständig erkennen. Daraus ergäben sich Fragen nach Kosten, Haftung und Risikoverteilung zwischen Bauherrschaft, Planung und ausführenden Unternehmen. Diese Unsicherheiten könnten dazu führen, dass Neubauten auf bislang unbebauten Flächen zunächst einfacher und wirtschaftlich attraktiver erschienen.
Für Bamberg und andere dicht bebaute Städte sei eine unbegrenzte Entwicklung auf der „grünen Wiese“ jedoch keine tragfähige Lösung. Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Nutzung vorhandener Gebäude seien sowohl aus städtebaulichen als auch aus ökologischen Gründen notwendig. Das Bauen im Bestand sei deshalb trotz seiner Herausforderungen keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern ein unvermeidlicher Bestandteil der zukünftigen Stadt- und Regionalentwicklung.
Besonders eindrücklich verwies Schönberger auf die großen Mengen an Bau- und Abbruchabfällen. Damit machte er deutlich, dass die Entscheidung für Abriss und Neubau nicht nur eine lokale Bauentscheidung darstellt, sondern erhebliche Folgen für Ressourcenverbrauch, Transportaufkommen, Entsorgung und Klimaschutz hat. Der Bestand müsse daher verstärkt als Ressource und nicht primär als Hindernis betrachtet werden.
Das Projekt InTraBau stellte Schönberger als einen möglichen Lösungsansatz vor. Unter dem Leitgedanken „Innovation aus Tradition“ solle es den Austausch zwischen Wissenschaft, traditionellem Handwerk und weiteren Akteuren der Baupraxis beschleunigen. Ziel sei es, Risiken und Kosten des Bestandsbaus besser zu beherrschen und zugleich Anforderungen an Wohnraum, Klimaschutz und Denkmalpflege miteinander zu verbinden.
Kernaussage Dr. Andreas Schönberger
Am Bauen im Bestand führt aus ökologischen und städtebaulichen Gründen kein Weg vorbei. Damit Bestandsprojekte dennoch wirtschaftlich und verlässlich umgesetzt werden können, müssen Risiken transparenter werden und Wissenschaft, Planung, Wirtschaft und Handwerk gemeinsam an praxistauglichen Lösungen arbeiten.
Gemeinsame Aussagen der Begrüßung
Die drei Begrüßungsbeiträge setzten unterschiedliche Schwerpunkte, führten aber zu einer gemeinsamen Ausgangsthese:
Der Gebäudebestand ist eine zentrale Ressource für die zukünftige Entwicklung von Städten und Regionen. Seine Erhaltung und Weiterentwicklung sind nicht nur Aufgaben des Denkmalschutzes, sondern wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Bau-, Wirtschafts- und Klimapolitik.
Dabei wurden vier übergreifende Anforderungen formuliert:
Wissenschaft und Praxis müssen enger zusammenarbeiten
Forschung soll konkrete Probleme der Baupraxis aufgreifen, während Erfahrungen aus Unternehmen und Handwerksbetrieben in Forschung und Lehre einfließen müssen.
Das Handwerk muss als Wissensträger gestärkt werden
Traditionelle Werktechniken und praktisches Erfahrungswissen bilden eine wesentliche Grundlage für die fachgerechte Reparatur und Anpassung vorhandener Gebäude.
Bestandsbau benötigt geeignete Rahmenbedingungen
Unsicherheiten, Haftungsfragen, Kostenrisiken und starre Vorgaben dürfen nicht dazu führen, dass Abriss und Neubau systematisch gegenüber dem Erhalt bevorzugt werden.
Wissenstransfer braucht dauerhafte Strukturen
Projekte wie InTraBau, gemeinsame Studiengänge, öffentliche Veranstaltungen und fachübergreifende Netzwerke sollen dafür sorgen, dass Erkenntnisse nicht in einzelnen Institutionen oder Projekten verbleiben.







