HANDWERKS-FORUM FENSTER 07.07.2025
Zukunftsfähige Lösungen Zwischen Denkmalschutz, Energieeffizienz Und Praxis
Handwerks‑Forum Fenster 2025: Zukunftsfähige Lösungen zwischen Denkmalschutz, Energieeffizienz und Praxis
Am 7. Juli 2025 fand an der Hochschule Coburg das InTraBau Handwerks‑Forum Fenster statt. Rund vier Stunden lang diskutierten Expertinnen und Experten aus Handwerk, Forschung, Planung und Denkmalpflege über zentrale Fragen der Fenstersanierung – von historischen Holzfenstern bis hin zu zukünftigen Innovationen. Begleitet wurde das Forum von einem Workshop/Worldcafé sowie einer Präsentation der Ergebnisse und Diskussion mit der InTraBau‑Community.

Bestandsfenster im Fokus – Chancen für Klima, Kultur und Kosten
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie historische Fenster energetisch ertüchtigt werden können, ohne ihre charakteristische Substanz zu verlieren.
Immer deutlicher wird: Der Erhalt bestehender Fenster ist nicht nur denkmalpflegerisch sinnvoll, sondern oft auch ökologisch und energetisch lohnend.
Kramp + Kramp: Denkmalgerechte Fenstersanierung in der Praxis
Thomas Thesing präsentierte das von seinem Unternehmen entwickelte System 15.0, ein reversibles Vorsatzscheiben‑ und Vorsatzfenstersystem. Es ermöglicht:
– deutliche Energieeinsparungen (Ug‑Wert von ~5,8 auf ~1,7 W/m²K)
– Verbesserungen im Schall- und Einbruchschutz
– minimalinvasive Eingriffe ohne Substanzverlust
In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die wirtschaftliche Machbarkeit solcher Lösungen. Restaurierungen sind häufig teurer als neue Fenster – langfristig amortisieren sich hochwertige Sanierungen jedoch oft. Förderprogramme, Partnernetzwerke und einfache, laienfreundliche Systeme könnten den Zugang erleichtern.
FenRest-Forschung: Klimagerechte Sanierung braucht Typologien statt Standards
Prof. Dr. Alexandra Troi zeigte anhand europäischer Praxisbeispiele, dass Fenstersanierung immer ein Fall für maßgeschneiderte Lösungen bleibt. Zwar gibt es keine Universallösung für alle Gebäude, doch wiederkehrende Problemmuster erlauben das Erstellen sinnvoller Fenstertypologien, aus denen geeignete Maßnahmen abgeleitet werden können.
Ein zentraler Befund:
„Handwerk und Forschung müssen enger zusammenarbeiten, um bauphysikalisch sichere und gleichzeitig einfach anwendbare Lösungen zu entwickeln.“


Fenster der Zukunft: Nachhaltige Impulse aus Rottweil
Hermann Klos von der Holzmanufaktur Rottweil legte den Blick auf die langfristige Transformation des Bauwesens. Seine Kernbotschaften:
- Bestandsfenster sind eine Ressource – nicht ein Störfaktor
- Historische Handwerksfenster (bis ca. 1970) sind oft langlebiger und besser reparierbar
- Vakuumisolierglas und ergänzende Dichtsysteme ermöglichen U‑Werte bis 0,5 W/(m²K)
- Handwerkliche Kompetenz ist ein Schlüsselfaktor der Bauwende
Klos betonte, dass nachhaltiges Weiterbauen nur gelingen kann, wenn bestehende Bauteile wertgeschätzt und genutzt werden – und wenn wieder mehr qualifizierte Fachkräfte herangebildet werden.
Selbstbau-Kastenfenster: Ein Experiment mit Zukunftspotenzial
Felix Schaller und Robert Saat, Architekturbüro saatschaller, Leipzig
stellten ein experimentelles Selbstbau‑Projekt vor:
Ein im Fachwerkhaus eingebautes kostengünstiges Kastenfenster, das mit einfachen Baumarktmaterialien und minimalem Werkzeug auskommt.
Das Ziel war, eine Lösung zu finden, die:
- auch Laien nachbauen können
- energetisch wirksam ist
- den Bestand respektiert
- maximale Lichtausbeute bietet
Der Ansatz stieß auf großes Interesse, aber auch kritische Fragen – etwa zur Dauerhaftigkeit, Materialwahl oder Übertragbarkeit auf ganze Gebäude. Als Inspirationsprojekt weckte es jedoch Lust auf Innovation und Selbstinitiative im Handwerk.

Worldcafé: Was braucht die Fenstersanierung der Zukunft?
In fünf Thementischen wurden bereichsübergreifend Bedarfe formuliert. Einige zentrale Ergebnisse:
Fazit: Erhalten statt Wegwerfen
Das InTraBau Handwerks‑Forum zeigte eindrucksvoll, wie viel Potenzial im Erhalt und in der Weiterentwicklung von Bestandsfenstern steckt. Zwischen Forschung, Handwerk und Planung entsteht ein neues Verständnis:
Nachhaltigkeit bedeutet nicht Ersatz, sondern Weiterbauen mit dem, was da ist.
















