Handwerksforum-Lehm 28./29.05.2025

Zukunftsfähiges Bauen mit einem der ältesten Baustoffe der Welt

Handwerks‑Forum Lehm 2025: Zukunftsfähiges Bauen mit einem der ältesten Baustoffe der Welt

Am 28. und 29. Mai 2025 fand in der Designfabrik der Hochschule Coburg das InTraBau Handwerks‑Forum Lehm statt – ein zweitägiges Praxis‑ und Wissensformat rund um einen Baustoff, der jahrtausendealt ist und dennoch aktueller denn je: Lehm.

Der Workshop und das anschließende Forum brachten Handwerker*innen, Studierende, Forschende und Planende zusammen, um die Möglichkeiten, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Lehmbaus sichtbar zu machen.

    Praktische Lehmbautechniken im Fokus

    Zum Auftakt des Workshops standen echte Handwerkspraktiken auf dem Programm:

    – Bau einer Stampflehmwand,

    – Anwendung von Lehmputzen im Außenbereich,

    sowie ein Experiment, bei dem eine Stampflehmkonstruktion als Fundament für eine geplante Gridshell‑Holzhalle getestet wurde.

    Diese praxisnahe Einführung verdeutlichte, wie vielseitig und gleichzeitig anspruchsvoll der Baustoff Lehm ist – und warum seine Wiederentdeckung für nachhaltiges Bauen so relevant ist.

    Vier Impulse aus Handwerk, Forschung und Lehmstein‑Innovation


    Im Handwerks‑Forum präsentierten vier Referent*innen unterschiedliche Blickwinkel auf das Bauen mit Lehm:

    1. Gabriele Götz – Naturbaustoffe und Forschung

    Sie stellte Entwicklungen aus dem Lehm‑Experimentallabor vor und zeigte, wie sich traditionelle Baustoffe durch Forschung weiter professionalisieren lassen.

    2. Tim Langer – Stampflehm in der Praxis

    Mit beeindruckenden Beispielen lasttragender Stampflehmwände zeigte er, welch statisches und gestalterisches Potenzial in diesem jahrtausendealten System steckt.

    3. Tom Küstner – 30 Jahre Lehmbauerfahrung

    Küstner gab einen persönlichen Einblick in die Entwicklung des modernen Lehmbaus – von anfänglicher Nischenpraxis hin zu einem gefragten ökologischen Baustoff.

    4. Jonas Stückel – Lehmsteinpresse als Masterarbeit

    Der junge Forscher stellte seine selbst entwickelte Lehmsteinpresse vor und erläuterte die technischen Grundlagen der Lehmsteinproduktion.

    Seine Arbeit zeigte eindrucksvoll, wie Innovation direkt aus dem Hochschulkontext ins Handwerk zurückwirken kann.

    Lehm – Ein Baustoff der Zukunft?


    Im Zentrum der Podiumsdiskussion stand eine zentrale Frage:

    „Was müsste passieren, wenn morgen die Nachfrage nach Lehmbaustoffen sprunghaft steigt?“

    Die Antworten machten deutlich, dass Lehm ein Zukunftstechnologie‑Baustoff ist – aber strukturell noch viel passieren muss.

    Wesentliche Punkte aus der Diskussion:

    1. Bildung & Ausbildung

    Lehm muss frühzeitig in die berufliche Ausbildung integriert werden.

    Pflichtinhalte in Berufsschulen und überbetriebliche Lehrgänge wären wichtige Schritte.

    2. Materialentwicklung

    Bedarf an verbesserten Lehmplatten für den Trockenbau: robust, fugenlos, einfach zu verlegen.

    Weiterentwicklung von Lehmsteinpressen und innovativen Lehmstein‑Typen.

    3. Raumklima & Bauphysik

    Mehr Forschung zu Raumentfeuchtung und Feuchtigkeitsregulierung.

    Klärung und Kommunikation von Themen wie Radon‑Mythen und Schimmelängsten.

    4. Gesetzgebung & Markt

    Fehlende CO₂-Bepreisung führt zu einer systematischen Benachteiligung nachhaltiger Baustoffe.

    Bauschutt‑ und Entsorgungsgesetze sollten den Vorteil natürlicher Materialien stärker berücksichtigen.

    Mehr Sichtbarkeit für das Material Lehm


    Ein wiederkehrendes Thema war das Image des Baustoffs Lehm. Noch immer bestehen Vorurteile – von „zu empfindlich“ bis „zu teuer“.

    Das Forum zeigte jedoch deutlich:

    Lehmoberflächen sind reparaturfreundlich,

    regulieren Feuchtigkeit,

    verbessern das Raumklima,

    und sind ökologisch nahezu unschlagbar.

    Zudem wächst das Interesse, Lehm in modernen Architektursprachen einzusetzen – weg vom Öko‑Nischen‑Look hin zu zeitgemäßem Design.

    Innovation & Zukunft: Ein Arbeitskreis entsteht


    Aus dem Forum ging eine klare Dynamik hervor:

    Viele Teilnehmende äußerten Interesse an einem Arbeitskreis Lehmbau innerhalb der InTraBau‑Community.

    Geplante Themen:

    - gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte,

    - Austausch über inhaltliche Standards,

    - Entwicklung niederschwelliger Lernformate,

    und die Stärkung der Sichtbarkeit von Lehm im Bauhandwerk.


    Damit wird das Forum nicht nur als Veranstaltung wirksam – sondern als Ausgangspunkt konkreter Folgeprojekte.

    Fazit: Lehm ist ein Baustoff mit Vergangenheit – und Zukunft


    Das InTraBau Handwerks‑Forum hat gezeigt, dass Lehm weit mehr ist als ein traditioneller Baustoff.

    Er ist ein Klima‑Held, ein Gesundheitsfaktor, ein kulturelles Gut – und ein Zukunftsmaterial, das gerade erst beginnt, sein Potenzial auszuschöpfen.

    Durch die Kombination aus Praxis, Forschung, Handwerk und Diskussion hat das Forum neue Wege aufgezeigt, wie nachhaltiges Bauen mit Lehm in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen kann.

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